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The Fiber Year 2007/08

Ein weltweiter Überblick über Textil- und Vliesstoff-Industrie

Der Weltfasermarkt konnte erfreulicherweise bei Baumwolle, Zellulose, Polyester und bei seltener nachgefragten Fasern wie Elastan, Aramid und Karbonfasern wachsen. Das Volumen etablierter Fasern wie Polyamid, Polypropylen und Acryl sank. Während der Verbrauch von Baumwolle, Wolle und Seide um 1,2 % auf 28,5 Mio. Tonnen stieg, wuchs er bei Chemiefasern um 8,0 % auf 44.1 Mio. Tonnen. Der dritte Sektor mit Kapok, Ramie, Flachs, Hanf, Jute, Sisal und Kokos wird voraussichtlich bei 5,8 Mio. Tonnen stagnieren.



Auf Weltebene stieg der Faserbedarf bei Baumwolle, Wolle, Seide und Chemiefasern um 5,2 % auf 72,6 Mio. Tonnen, deutlich über der durchschnittlichen jährlichen Langzeit-Wachstumsrate von 3,4 % (1980-2007). 

Die weltweite Garnproduktion mit einem weiteren Anstieg beim Filamentgarnanteil ist unten zu sehen.



Die installierte Spinnkapazität an Kurzstapelspindeln in den größten Märkten ist unten zusammengefasst:



Der Zellulosefasermarkt zeigte erneut eine höhere Wachstumsrate als der Synthetikfasermarkt. Während Zellulosefasern um 9,0 % auf 3,7 Mio. Tonnen stiegen, schafften Synthetikfasern eine Steigerungsrate um 7,9 %  auf 40,0 Mio. Tonnen. Die günstige Entwicklung bei Zellulose wird in erster Linie den Viskosestapelfasern verdankt. Das Wachstum im Synthetikfasersegment wurde hauptsächlich  von den Polyesterfasern angekurbelt, während Polymere wie Polyamid, Polypropylen und Acryl nachließen.

 

Das Chemiefaser-Spinngeschäft ging in Europa, Japan und in den Vereinigten Staaten weiter zurück. Der asiatische Ausstoss von 34 Mio. Tonnen entspricht einem Marktanteil von 77 %, wovon zwei Drittel in der Volksrepublik China hergestellt werden. Die chinesische Industrie erreichte eine Steigerung des Ausstosses um 17,4 % auf 22,7 Mio. Tonnen, was dem Welt-Chemiefaser-Produktionsvolumen von 1994 entspricht – sehr symbolhaft, da im Jahr zuvor die Vereinbarung über Textilien und Kleidung in Kraft trat, die den Entwicklungsländern eine bessere Annäherung an die Industrieländer durch einen zehnjährigen stufenweisen Quotenabbau ermöglichte.

Die unten stehende Grafik zeigt das Ergebnis bei Chemiefasern bezogen auf die Endverwendung. Teppichgarne litten unter einer durch die US-Immobilienkrise und durch den wachsenden Wettbewerb bei den harten Bodenbelägen bedingten Rezession.

Der letztjährige Ausstoss an Vliesstoffen und ungesponnenen  Fasern steig weiter an, und zwar um 7 % auf 7,1 Mio. Tonnen. Die Mehrzahl der fast 6 Mio. Tonnen entfielen auf Vliesstoffe, während der Rest Füllstoffe für Schlafsäcke, Anoraks, Kissen, Matratzen und Isolationsmaterial in der Autoindustrie sowie Füllmaterial für verstärkte Baustrukturen war. Die Fertigungsaktivitäten sind zwischen Asien, beiden Amerikas und Europa fast ausgewogen. Vorherrschend war hierbei, unabhängig vom ansteigenden Verbrauch, dass die meisten Anwendungen eine Kombination von neuen Kapazitäten und Restrukturierungsmaßnahmen in aller Welt waren. 

Kardierte Vliesstoffe sind im Herstellungsprozess textiler Flächen immer noch quantitativ führend, obwohl diese Technologie kontinuierlich Marktanteile verliert. Der letztjährige Ausstoss stieg um 5 % auf etwa 2,4 Mio. Tonnen.

Als Folge der anhaltend starken Investitionen hat der Spinnvliesmarkt fast 2,4 Mio. Tonnen Spinnvliese hergestellt, überwiegend Polypropylen und Polyester, mit SMS als wichtigster Technologie. Dieses Ausstossniveau entspricht einem 7-prozentigen Wachstum über 2006.

Der Bedarf an Airlaid-Vliesen, die hauptsächlich für Wischtücher, Hygieneprodukte und Saugkissen für die Nahrungsindustrie verwendet werden, war solide und lag 2007 bei etwa 480.000 Tonnen. Obwohl dieser Industriezweig unter den ungebremsten Kapazitätszuwächsen in den frühen 2000er Jahren gelitten hat, erfuhr auch sie jetzt erfreulicherweise einen Anstieg bei der Wirtschaftlichkeit. Investitionen im hochkonzentrierten Segment der nassgelegten Spinnvliese gingen zurück. Der Ausstoss für 2007 stieg nur unwesentlich auf etwa 230.000 Tonnen.

Das Vorjahresergebnis hat den Langzeittrend der weiteren Verschiebung der Produktion nach Asien, insbesondere in die Volksrepublik China, bestätigt. Der Anteil der asiatischen Chemiefaserproduktion stieg 2007 auf 77,5 % bzw. auf 3,6 Mio. Tonnen. Einen beeindruckenden 11,7-prozentigen Anstieg der weltweiten Polyesterherstellung auf 30,7 Mio. Tonnen belegte nachhaltig den überaus guten Ruf dieser Fasern, die jetzt 70 % des weltweiten Fasermarktes ausmachen.

Der reizvolle Aspekt der Textilien ist ihr anhaltendes Wachstum, das voraussichtlich noch mehr Dynamik erfährt durch die Gewinnsteigerungen hauptsächlich in der Volksrepublik China und in Indien. Bis 2020 wird voraussichtlich ein zusätzlicher Bedarf von 30 Mio. Tonnen bei Fasern und Garnen entstehen, so dass der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch 2020 von 10,9 kg auf 13,5 kg steigen wird. Die Produktionsanteil in Westeuropa und in den USA wird weiterhin Wechseln zu Gunsten ausgereifter und innovativer Lösungen unterworfen sein. Diese Strategie bedeutet, dass die Bedienung kleiner Märkte mit ambitionierten Anforderungen überdurchschnittliche Gewinnspannen bringen wird.

Positive Erwartungen gibt es für Baumwolle, bedingt durch die zunehmende Anpflanzung gentechnisch veränderter Baumwolle sowie durch Polyester und Zellulose. Zur Bedienung der Kundennachfragen ist eine Zukunft ohne Chemiefasern unvorstellbar. Auf Grund seines günstigen Preis-/Leistungsverhältnisses, der weiteren Expansion beim Spinnen und der anhaltenden Ausweitung der Rohstoffgrundlagen in Asien und im Mittleren Osten wird Polyester vorherrschen. Durch vermehrte Nutzung im Bereich Vliese und Textilien wird Zellulose, ausschließlich Stapelfasern, weiterhin Wachstumsraten bringen. In der Zwischenzeit werden Polyamid- und Acrylfasern voraussichtlich Gegenstand weiterer Verlagerungen und Fusionen sein. Kleinere Nischenprodukte wie Aramid und Karbonfasern werden ihr schnelles Wachstum fortsetzen.

Unausgeglichener Handel, Einhaltung sozialer und arbeitsrechtlicher Vorschriften, Schmuggel konfektionierter Bekleidung und gefälschte Kleidungsstücke werden auch weiterhin vorherrschende Themen bleiben. Das wird zunehmend Spannungen im Handel schüren. Obwohl eine unbeschränkte Entfaltung der Markteinflüsse möglicherweise das wirtschaftliche Wohlergehen stark beleben wird, ist es unerlässlich, weltweit anerkannte Regelungen für die Handelspraxis und das Recht an intellektuellem Eigentum festzulegen; sonst könnte es zu Reibungen beim Handel und zu Strafzöllen kommen.

Wird sich der derzeitige Globalisierungstrend bei der Herstellung von Kleidung fortsetzen? Die wachsende Wichtigkeit des Einsparens von Ressourcen und der Schonung der Umwelt könnte zu einem Umdenken hinsichtlich „Konzentration“ führen, ein Gedanke, den bereits Professor Pietra Rivoli in der letztjährigen Ausgabe äußerte. Unter Berücksichtigung der CO2-Bilanz der heutigen Bekleidungsherstellung, bei der Rohstoffe und fertige Kleidungsstücke um den halben Erdball transportiert werden, scheint das gegenwärtige System internationaler Arbeitsteilung nicht der Weg zum Erfolg für umweltgerechte Bemühungen zu sein. Im Gegensatz dazu ist für “grüne” Bekleidung ein Umdenkens der Händler hinsichtlich Beschaffung, Verteilung und Marktstrategien erforderlich, das zu einer ausgeglicheneren Industriestruktur führen würde. Das Jahr 2008 wird zeigen, welche Prioritäten die genannten Punkte einnehmen werden, während viele Textilproduzenten sich einem großen wirtschaftlichen Druck ausgesetzt sehen werden.

Schliesslich sind weltweite Investitionen entsprechend der Marktbedürfnisse unerlässlich. Tatsächlich erscheint ein kurzfristiges Wachstum der Marktanteile verlockend für einen Hersteller, aber auf lange Sicht wird es nur zu niedrigeren Gewinnspannen und zu einem Verdrängungswettbewerb führen. Das Befolgen dieser Aspekte in Übereinstimmung mit einem Unternehmensgeist und der Bereitwilligkeit der Direktion, Veränderungen zuzulassen, werden für die verantwortungsbewussten Hersteller zu einem nachhaltigen Erfolg führen. Das scheint eine grundlegende Fähigkeit für eine sich weiterhin wandelnde Textil-Szene zu sein. Die Übergangsphase ist noch lange nicht vorbei, auch noch ist nicht alles verloren.

Firmenverschmelzungen und -käufe, Schließungen und Verlegungen von Fertigungsprozessen werden weitergehen. Nur die heute stärksten Firmen, die ihre Lieferpalette und ihre internationale Präsenz stetig bereichern, werden auch in Zukunft noch führend sein können. Firmengruppen, die in dieser Hinsicht Anerkennung finden, sind Indorama, Lenzing, Performance Fibers, Reliance und Toray, um nur einige Große in der Chemiefaserindustrie zu nennen.

The Fiber Year 2007/08